Erez Nevi Pana – Tropical Milan

Erez NEvi Pana - Banana Project

Erez Nevi Pana
Tropical Milan, 2020
Installation

Nach der Ausstellung „Vegan Design – or the Art of Reduction“ (2018) kuratiert von Maria Cristina Didero in Spazio San Remo präsentiert die israelische Designerin eine neue Installation mit einem Film, der sich mit den Themen Veganismus, Eigenständigkeit und globaler Erwärmung auseinandersetzt und der die Menschen wieder einmal in ihre Verantwortung drängt.

2018, nach seiner Rückkehr in seine Heimat, reflektierte Nevi Pana die in Mailand präsentierte Ausstellung, die mit veganen Materialien realisiert wurde, welche er im Laufe der Zeit gefunden und gesammelt hatte. Für seine zukünftigen Projekte stellte er sich den Grenzen dieser Praxis des Sammelns und hinterfragte die Idee, nicht nur vegane Produkte zu verwenden, sondern noch einen Schritt weiter zu gehen und seine eigenen Zutaten anzubauen, um die vollständige Kontrolle über sie zu erlangen.

Tropical Milan ist ein visionäres Eintauchen in eine dschungelartige Umgebung – die als Symbol für das Zentrum der Stadt Mailand stehen könnte –, in der der Mensch unter anderem mit extremer Feuchtigkeit, einer Mückeninvasion und den dramatischen Folgen falscher Monokulturen (Einzelkulturen wie Bananenstauden), die zu begrenzter Nahrungsversorgung, Armut und weltweiten Massenmigrationen führen. Wie wir in Nevi Panas Film sehen, ist die Menschheit gezwungen, langsamer zu werden, still zu bleiben, anders zu atmen und sich selbst zu schützen, indem sie sich in Kokons verwandelt – auch hier aus vollständig nachhaltigen, selbst angebauten Fasern. Der Mann im Film, der als Ikone dient (und uns alle repräsentiert), ist von Bananenpflanzen umgeben, die an die Idee der Vielzahl erinnern. Er schläft und bezieht sich auf tragische Weise auf den Zustand, in dem wir heute leben. Anstatt aufzuwachen und etwas für uns alle, für sich selbst, für unseren Planeten zu tun, handelt er blind und viel zu langsam; er wartet darauf, dass etwas passiert, und so werden wir früher als wir denken in einer so unwirtlichen Umgebung landen.

Als Reaktion auf diese futuristische Vision stellt sich Erez Nevi Pana eine Reihe von Stücken aus Bananenstängeln und -blättern, Luffa oder Bambus vor, die er selbst angebaut hat, um nicht nur 100% nachhaltig, sondern auch voll verantwortlich zu sein und eine neue Grenze dessen zu projizieren, was es würde bedeuten, im 21. Jahrhundert Gesamtschöpfungen zu realisieren.

Der Film ist langsam und es scheint, dass nichts passiert. Stattdessen passiert dort viel. Das Ergebnis nehmen wir erst wahr, wenn wir uns mit einem Ilja Ilič Oblomov-ähnlichen Charakter beschäftigen – zufällig der Gutsbesitzer von Ivan Aleksandrovič Gončarov (1859). Da wir in diesem russischen Klassiker einen Mann sehen, der völlig in seine tiefe Apathie versunken ist, kann ihn nichts erregen, selbst wenn er ein Mann mit edlen und tugendhaften Instinkten ist. Sein Mangel an Willenskraft ist sein Käfig; ein Käfig, den er selbst gebaut hat.

Auch der Filmsoundtrack ist sehr aussagekräftig. Nevi Pana wählte zeitgenössische Trance-Musik als Gegenstück zu den Bildern im Film, als eine Erklärung der Unmittelbarkeit und Dringlichkeit. Als Umkehrung des Blickwinkels im Video simuliert der Ton die kognitive Trance, in der die Person lebt und präsentiert eine völlige Distanzierung von der Realität.

Durch Tropical Milan wird die Stadt zum Symbol globaler Dekadenz, im Gegensatz zu ihrem charmanten, glamourösen und hyperaktiven Image und ihrer zynischen Lebensweise, die der Designer gänzlich ablehnt. Dieses apokalyptische Szenario setzt den Betrachter einer unspektakulären Realität aus, in der die Zeit zu verlangsamen scheint, die Gesellschaft stark kompromittiert oder komplett aufgehoben ist; Langsamkeit, Einsamkeit und Stille überschatten die möglichen Aktivitäten der Menschen. Wir wollen diesen Punkt nicht erreichen.

Erez Nevi Pana (1983 Bnei Brak, Israel) lebt und arbeitet in Tel Aviv.

Regie: Erez Nevi Pana
Autor: Erez nevi Pana
Musik: Gorovich
Dreh und Schnitt: Ofer Kantor
Schauspiel: Ohad Friedman Yeger, Nissim Ben Ezra








WUNDERBARE NACHRICHTEN:

19. ZNE! Station in Haifa und Jerusalem, Israel
02.09.2021 - 30.11.2021

ERÖFFNUNGEN:

Museum on the Seam, Jerusalem: Mittwoch 01.09.2021, 19:00

Pyramida Art Center, Haifa: Donnerstag, 02.09.2021, 20:00

In Zusammenarbeit mit Museum on the Seam

Gefördert von
Auswärtiges Amt

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Teil 1 und Teil 2 der neuen Stimmen von KÜNSTLER:INNEN UND KULTURVERMITTLER:INNEN ZUM Fonds für Ästhetik und Nachhaltigkeit

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Nachhaltigkeit braucht Entschleunigung braucht Grundein/auskommen ermöglicht Entschleunigung ermöglicht Nachhaltigkeit


Könnte ein Bedingungsloses Grundein/auskommen die Freiheit und Chancengleichheit eines jede(n) Einzelne(n) fördern und auf diese Weise die maßlose Beschleunigung unserer Zeit eindämmen und so dazu beitragen die begrenzten Ressourcen unserer Umwelt zu schonen?

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