Otmar Sattel

Otmar Sattel

Die Energieskulpturen des Künstlers Otmar Sattel sind wieder
aktuell. Oder vielleicht waren sie das immer, und nur die
mit ihnen verbundenen Fragen nach dem Verhältnis von Gesellschaft
und Natur werden seit ihrem Entstehen in den späten
1980er-Jahren heute wieder neu gestellt. Angesichts des Klimawandels
suchen die westlichen Industrieländer erneut nach raffinierten
Alternativen zu Öl und Atomenergie.
Die Wiederkehr technischer Lösungen ist wie ein Déja`-vu.
Welche Lobby hatte in der Zwischenzeit ihre Interessen durchgesetzt?
Und warum hat die Gesellschaft nicht umgedacht? Ist
sie so fixiert auf den technischen Fortschritt? Bei all den technischen
Lösungen wird deutlich, dass es nicht ohne ein Umdenken
in Sachen Lebensstil gehen kann. In diesem Zusammenhang
bekommt die künstlerische Arbeit von Sattel etwas
Prophetisches.
Um natürliche Prozesse sichtbar zu machen, erfand Otmar
Sattel eine Maschine, die Gras-Glas-Ton-Maschine II: Ein großer
Glaskubus – eine Anleihe aus der Minimal Art – gefüllt mit
Heu, das als Isolierung für einen weiteren natürlichen Prozess
unbestimmter Dauer dient. Denn das Heu hält die Umgebungstemperatur
konstant für ein Kesselsystem mit Rohren, in dem
ein Gemisch aus Zucker, Hefe und Nährsalzen gärt. Daraus steigen
Schwefel, CO2 und andere Gase auf und bringen die Luftsäule
zum Schwingen, was einen unheimlichen Ton erzeugt. Sattel
vertont also auf diese Weise einen organischen Prozess und gibt
dem Vorgang eine akustische Präsenz; Natur war nicht länger
ein stilles geschlossenes System.
Den Begriff Maschine verwendet Sattel ironisch, denn seine
Maschine funktioniert autonom, »die Natur läuft rund um die
Uhr«. Einerseits spielt er so auf das technische Paradigma in
der modernen Kunstgeschichte an. Andererseits präpariert er
die Natur als Maschine, damit sie das Bewusstsein einer Gesellschaft
reflektiert, deren Selbstverständnis auf technologischer
Machbarkeit fußt. Wo Technik als einzige Antwort erscheint,
werden andere Lösungen selten in Betracht gezogen. Deshalb
steht das Verhältnis zwischen Gesellschaft und Natur noch immer
als größere übergeordnete Frage da. Wie etwa Buckminster
Fuller definiert Sattel die Naturbeobachtung als Lernvorgang, sie
gehört zum festen Bestandteil seiner gestalterischen Praxis. So
entsteht im künstlerischen Spiel mit der Natur und ihrer Raffinesse
eine Allegorie auf eine mögliche Existenz jenseits der
Technokratie.
Text: Vera Tollmann








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Die 16. Ausstellungsstation von ZNE! in Valparaíso ist vom chilenischen Kreis der Kunstkritiker*innen zur besten Internationalen Ausstellung des Jahres 2017 in Chile gekürt worden.

Diese Station wurde vom 10.6.17 – 12.8.17 im Parque Cultural de Valparaíso gezeigt und ermöglicht von Heinrich Böll Stiftung Cono Sur, Institute for Advanced Sustainability Studies IASS, Potsdam und Goethe-Institute Chile.

ZNE! dankt allen Künstler*innen, Partner*innen, Techniker*innen und Helfer*innen, die das hier möglich gemacht haben.

Hier geht es zu den Fotos der Ausstellung.


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Stimmen für einen Fonds Ästhetik und Nachhaltigkeit als Forderung an Bundesregierung und Bundestag u.a. von Prof. Dr. Klaus Töpfer, Prof. Dr. Gesine Schwan, Prof. Dr. Patrizia Nanz, Olafur Eliasson, Dr. Wilhelm Krull, Dr. Michael Otto und Amelie Deuflhard.


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