Saori Kaneko & Richard Welz – HYPERREALE FLORA – HALDEN / MADE BY US

HYPERREALE FLORA – HALDEN / MADE BY US: Saori Kaneko, Richard Welz /
2018 / 3 von 10 Stereofotografien / Holz, Spiegel, Polyester, Aluminium, Fujichrome Provia 100F RDP III, LED-Leuchtmittel / je 80 x 50 x 30 cm

„MADE BY US – Radioaktive Strahlung in Deutschland und Japan“ ist ein politisches und medienreflexives künstlerisches Projekt von Saori Kaneko und Richard Welz, das sich seit 2011 anlässlich der Dreifach-Katastrophe (Erdbeben, Tsunami und infolgedessen Atom-Unfall von Fukushima Daiichi) zur Freisetzung von Radioaktivität in der Umwelt befasst.

Kaneko und Welz setzen sich mit der gesellschaftsrelevanten, jedoch stark verdrängten Problematik radioaktiver Strahlung, insbesondere deren langfristigen Auswirkungen infolge nuklearer Katastrophen, des Uranabbaus interdisziplinär und interkulturell auseinander. Sie hinterfragen positive und negative Aspekte der nuklearen Entwicklung und sehen Parallelen zwischen den Ereignissen in Tschernobyl und Fukushima. Ihrer Herkunft und dem starken persönlichen Bezug nach konzentriert sich das Projekt auf Deutschland und Japan.

Die Arbeit HYPERREALE FLORA – HALDEN besteht aus dreidimensionalen Bildern zu Thüringer Orten des ehemaligen Uranabbaus. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden zwischen 1946 und 1990 sehr große Mengen an Uran durch die Sowjetischen Besatzung an Standorten in Sachsen und Thüringen für die sowjetische Atomindustrie gefördert um Atomwaffen bauen zu können. In der Gegend um Gera gab es mehre solche Uranbergbaue und einen großen Tagebau. Die Reste des Bergbaus wurden auf Halden aufgeschüttet, bekannt sind u.a. die Pyramiden von Paitzdorf. Seit 1991 findet ein weiträumig angelegtes Sanierungsprogramm statt.

Um das Gebiet Ronneburg gibt es eine Vielzahl von Stellen, die einer Transformierung unterliegen, so z.B. die ehemalige Abraumhalde Beerwalde. Ursprünglich existierte der Haldenberg nicht, entstand infolge des Uranabbaus und wurde nun saniert, um die Auswirkungen auf Bevölkerung und Umwelt nachhaltig an den Naturraum anzupassen. Der künstlich geschaffene Berg wird Landschaftsbauwerk genannt. Die Halde Drosen wurde auf die Halde Beerwalde aufgeschüttet und mit einer dicken Schutzschicht ummantelt. Auf der Halde wurden Pflanzen angesiedelt, die den Boden vor Erosion für lange Zeit schützen soll und bestimmte Vogelarten ernähren wird – ein Garten voller Früchte. Für Neugierige ist die Halde am Wochenende begehbar. Irritierend ist die Bestimmung für den Naturschutz. Ein äußerst unnatürlicher Ort schafft Freiraum für bedrohte Natur.

Es sind neue Landschaftsformen entstanden, die real existieren, aber in Hinsicht auf einen anthropologischen Kontext einen äußerst unnatürlichen Zustand erreichen. Diesen werden wir mittels der dreidimensionalen Fotografie in einen Austellungskontext übertragen. Die extrem hochauflösende Fotografie auf Dia-Film als geschaffenes räumliches Bild nähert sich der Realität an, was mit diesen Verfahren seit seiner Erfindung in den 1830er Jahren versucht wird. Jedoch handelt es sich um ein unbewegtes Bild, was sich ambivalent zur natürlichen Betrachtungsweise auswirkt somit als hyperreal wirkendes Bild fungiert. Mit Hilfe einer selbstgebauten Stativhalterung wurde eine komplexe 8x10 Zoll Fachkamera so justiert, dass im Freien Stereofotografien von insgesamt 23 Halden zwischen Löbichau und Kleinreinsdorf angefertigt werden konnten. Die Motive werden im Pigeon-Verfahren (Betrachtung von zwei Halbbildern durch einen Spiegel) mit Holzkisten betrachtet. Das seitenrichtige Bild wird frontal betrachtet und mit dem anderen Bild über ein fast senkrecht positionierten Spiegel zur Deckung gebracht, sodass das räumliche Bild im Kopf entsteht und somit eine nicht greifbare Wirklichkeit erzeugt.








Wir bedanken uns bei allen, die die 18. Ausstellungsstation in Erfurt ermöglicht und mitgeholfen haben.

18. ZNE! Station ERFURT


von 28.7.2019 bis 22.9.2019

Fotos der Ausstellungsstation in Erfurt hier!

_________Initiiert vom Beirat zur _____Nachhaltigen Entwicklung in ______Thüringen, unterstützt vom Thüringer Ministerium für Umwelt, ________Energie und Naturschutz
und der __Landeshauptstadt Erfurt

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Wir trauern um unseren Freund und Stifter, den Künstler und Philosophen Prinz Rudolf zur Lippe, verstorben am 6. September 2019.
"Er brachte das Denken zum Tanzen" und die Menschen in Bewegung.
Während der Ausstellung in Erfurt, die in der Kirche des Augustinerklosters Arbeiten aus dem Zyklus "Von den Vögeln lernen" zeigt, wollte er mit uns darüber sprechen, und was sie mit Goethe und Alexander von Humboldt zu tun hat.
Wir werden ihn nicht nur dabei vermissen.

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